Bewegende Abschiedsrede von Regina Rinke - Fotos: Hendrik Urbin

"Bin im Garten" - ein Schild unter den Geschenken für Regina Rinke - hier ihr Präsidentennachfolger Ewald Klüber

30.05.11 - RHÖN

Der 24.000 Mitglieder starke Rhönklub hat einen neuen Präsidenten. Mit 90,6 Prozent Zustimmung wählte die über 500-köpfige Hauptversammlung am Sonntagnachmittag im unterfränkischen Fladungen in offener Abstimmung den 62-jährigen Ewald Klüber. Er kommt aus dem thüringischen Schleid und löste Regina Rinke ab. Diese stand 22 Jahre an der Spitze des Kultur- und Wandervereins und verabschiedete sich mit einer eindrucksvollen Leistungsbilanz. „Standing Ovations“ gab es zum Abschied 70 Sekunden lang für die beliebte Präsidentin, unter der sich der Rhönklub zu einem wichtigen Partner in Sachen Kulturbewahrung und Tourismus entwickelt hat. In Hessen, Thüringen und Bayern gibt es 88 Zweigvereine des Rhönklubs, der vor über 130 Jahren in Gersfeld gegründet worden war.

In einer bewegenden, sehr persönlichen und emotionalen Rede verabschiedete sich Regina Rinke von "ihrem" Rhönklub, den sie in den 22 Jahren ihrer Präsidentschaft geprägt hat, der aber nicht zuletzt durch den Wegfall der deutsch-deutschen Grenze eine Art "Renaissance" erlebte. "Ich übergebe meinem Nachfolger einen intakten, einen frischen und arbeitswilligen Rhönklub, dem nach meiner Auffassung keinerlei Altzöpfigkeit anhaftet" sagte Rinke nicht ohne Stolz. Und ihr Nachfolger versicherte der scheidenden Präsidentin: „Sie sind und bleiben eine Legende im Rhönklub.“

Wegen der Grundsätzlichkeit ihres Rückblickes haben sich die Redaktion von "osthessen-news.de" und "rhoen-aktuell.de" entschlossen, diese Rede auch als eine Art Zeitdokument (fast) "IM WORTLAUT" nachfolgend zu veröffentlichen. +++

"Verehrte Gäste, liebe Wanderfreunde,

nun ist er also gekommen, der Tag meines Abschiedes. Erinnerungen werden wach, denn hier in diesem Saal wurde ich 1985 zur Vizepräsidentin gewählt. Ich war damals 49 Jahre jung und stand noch voll im Beruf. Immerhin hatte ich zu dieser Zeit schon 19 Jahre Rhönklubmitgliedschaft und Rhönklubarbeit auf dem Buckel. Ziemlich schnell war ich Gaukulturwartin geworden. Mein Mann war bereits 9 Jahre im Hauptvorstand, und so hatte ich viel aus der Arbeit dieses hohen Gremiums kennen gelernt. Zur Übernahme des Amtes im Sommer 1985 bin ich durch Alfons Lühn gekommen.

Als wir dann Alfons Lühn Ende Dezember des Jahres 1988 mit einer großen Feier im Kolpinghaus in Fulda verabschiedeten, war ich gefordert, die Geschicke des Rhönklubs in die Hand zu nehmen und ihn zu lenken. 1989 wurde ich dann in Eichenzell zur Präsidentin gewählt. Ein halbes Jahr später erfüllte sich das, wovon ich im Sommer bei meiner Antrittsrede nur geträumt hatte: Ich wurde Präsidentin auch für die thüringische Rhön. Dann folgte das aufregendste Jahr meiner Tätigkeit. Innerhalb kürzester Zeit kam es zur Gründung von 19 thüringischen Zweigvereinen. Ich war fast bei allen Gründungsversammlungen zugegen. Meine Erinnerungen aus dieser Zeit sind noch ganz wach in meinem Geist. Sofort wurde die Wiederanlage der alten Wanderwege in Thüringen veranlasst.

Aber auch neue Wege wurden entworfen und in die Tat umgesetzt:

In Thüringen: 1996 der EH-EWeg / 1997 der Rhön-Paulusu-Weg / 1998 der Rhön-Rennsteigweg

In Bayern und Hessen: 1994 der Abtsweg / 1997 der Ortesweg / 2000 der Karolingerweg. 2005 und 2006 ging es an die Verwirklichung des Hochrhöners, dessen Trasse von meinem Mann ausgesucht und vorgeschlagen wurde. Die 20 Extratouren kamen hinzu, ebenfalls von den Wegewarten des Rhönklubs festgelegt. Den namenlosen HWOs, mit denen kein Fremder etwas anzufangen wusste, wurden nach fast 100 Jahren Existenz verständliche Namen gegeben.

In den 22 Jahren ist es mir gelungen, ein Netzwerk zu knüpfen, das sich sehen lassen kann.

Ich knüpfte Kontakte zu den Landräten in Bad Salzungen und in Meiningen, die zu denen in Bayern und Hessen waren längst geknüpft. Ich kann auflisten:

- 1991 Verleihungs-Urkunde über Biosphärenreservat Rhön in Kaltensundheim, der Rhönklub wurde Mitglied im Verein Natur- und Lebensraum Rhön. allerdings war dies nur über den. Landesverband Hessen möglich.

- Dem Verein Naturpark und Biosphärenreservat Bayer. Rhön sind wir als Mitglied ebenfalls beigetreten

- Kooperationsvereinbarungen wurden abgeschlossen mit den Naturparken in Hessen und Bayern, mit den Biosphärenreservaten in Hessen und Bayern und der Fränkischen Jakobusgesellschaft..

- Der Tourismusgemeinschaft Thüringer Rhön sind wir beigetreten. Die folgende hervorragende Zusammenarbeit mit den Touristikern in Bayern, Hessen und Thüringen – hier erinnere ich an Axel Wirth – kann als bestens bezeichnet werden. Auf diesem Sektor ist es in den letzten Jahren zu Veränderungen gekommen, die in ihren Auswirkungen noch nicht beurteilt werden können.

Gestatten Sie mir, auf Initiativen in den zurückliegenden 26 Jahren kurz einzugehen oder teilweise nur aufzuzählen:

1. Neugründungen von 24 Zweigvereinen

· 19 in Thüringen und in Hessen bzw. Bayern (ZV Walddörfer, ZV Dipperz, ZV Burghaun, ZV Scheppenbachtal und ZV Burgsinn)

2. Auflösungen die ZV Nürnberg, Frankenheim, Georgenzell, Scheppenbachtal und Burgsinn lösten sich leider auf

3. Austritte ausgetreten sind die ZV Frankfurt/M. und Wernshausen

Der heutige Stand im Jahr 2011; 88 Zweigvereine mit 24.545 Mitgliedern.

Folgende Ideen konnten in meiner Amtszeit in die Tat umgesetzt werden:

- Kinderwandertag - er droht in Vergessenheit zu graten

- Die Aktion „Ein Herz für Kinder“ brachte den ZV Schweinfurt, Würzburg und Kissingen durch die guten Verbindungen zum Naturpark Bayer. Rhön wunderbare Kinderspielplätze

- Die Rhöner Woche in Hütten und Häusern des Rhönklubs.

- Verträge mit mehreren Wanderkarten-Verlagen wurden abgeschlossen

- Mit den Buch-Verlagen der Rhön Parzeller-, Imhof-, Dehler sowie der Fuldaer Verlagsanstalt entstanden freundschaftliche Beziehungen.

Publikationen- 1982 erhielt ich den Auftrag zum Rhönklub-Liederbuch, das inzwischen in der 9. Auflage vorliegt

- 1991 erschien die 22. Auflage von Schneiders Rhönführer, inzwischen gibt es die 26. Auflage, redigiert von Gerhilde Kramm.

- 1992 entstand – als Geschenk für die Wende - das 3. Lesebuch „Die Rhön – Land im Herzen Deutschlands“

- 1996 kamen die 3 Kleinen Wanderführer durch die Bayerische, die Hessische und die Thüringische Rhön heraus.

- 1999 wurde auf Anregung meines Mannes „Auf bequemen Wegen...“ herausgebracht, inzwischen ist schon die 2. Auflage erschienen.

- 2001 zum 125. Jubiläum des Rhönklubs erstellten wir das 4. Lesebuch: „Durch die Rhön“ und im gleichen Jahr

- zum Jubiläum 2001 unsere Chronik: „125 Jahre Rhönklub“. Der Rhönklub präsentierte sich in seinem Jubiläumsjahr als ein aktiver, moderner, spritziger und frischer Verein, bei dem keinerlei alte Zöpfe geflochten werden

Viel Zeit zum Verschnaufen hatten wir nach diesem ereignisreichen Jahr 2001 nicht, denn bereits 2005 begannen die Vorbereitungen zum DWT 2008!

- 2005 erschien das Buch meines Mannes „Wanderwege durch die Rhön“, das auch schon in der 2. Auflage im Handel ist.

- 2008 zum DWT erschien „Sagenhafte Rhön“ mit vielen Wandervorschlägen zu den ebenfalls in 2008 aufgestellten Sagentafeln.

- Zum DWT 2008 wurden an exponierten Stellen Tafeln mit dem Netz unserer Weitwanderwege aufgestellt.

- Unsere Vereinszeitschrift erhielt zunächst ein neues Outfit – sprich Titelblatt, später wurde sie völlig auf Farbfotos umgestellt. Somit wurde sie ein modernes Journal sogar mit einem neuen Namen!

- Eine weitere Idee wurde in die Tat umgesetzt: Die Beitrittserklärung, womit neue Mitglieder geworben werden sollten, war wirklich kein Aushängeschild. Unser neuer Werbeflyer wurde gedruckt.

- Im gleichen Atemzug verfasste ich den Flyer mit den Kurzbeschreibungen unserer Hauptwanderwege, den wir auf Messen kostenlos verteilen.

- Auch das Hüttenverzeichnis konnte durch Werbeeinträge in ansprechender Form herausgegeben werden.

- Ebenso das Heftchen mit den Berghütten der Rhön zum DWT 2008

- Faltblätter über unsere 19 Weit- Wanderwege konnten mit den Wegebeschreibungen meines Mannes gedruckt werden. Die Kärtchen dazu zeichnete Karl-Oskar Aha.

- 2008 wurde das Leitbild erstellt.

- 2010 wurde der neuen Satzung ein ansprechendes Kleid verpasst.

All diese Publikationen hatten nur den einen Grund: Werben für die Rhön und damit auch für den Rhönklub. Auch die Info-Tafeln „Sie sind hier Gast in einem Rhönklub-Haus“ in unseren Hütten dienen der Werbung! Sie konnten den ZV kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Kurze Zeit nach der Wende stellte der Hauptvorstand Gedenk-Tafeln an den geschleiften Höfen oder Ortschaften entlang der innerdeutschen Grenze auf. Die Heidelstein-Gedenkstätte wurde um ein weiteres Kreuz reicher, gefertigt aus dem original Metallgitter des einstigen Grenzzaunes. Erst in der letzten Zeit wurden überall in der Rhön Tafeln mit unseren 19 Weitwanderwegen und auch mit dem Hochrhöner aufgestellt. Die Fulda-Quelle wurde saniert und restauriert. Die Milseburghütte erhielt eine Edelstahlküche und einen neuen Fußboden. All diese unendlich vielen guten Ideen konnten nur umgesetzt werden, weil ein gewaltiges Netzwerk vorhanden war.

Wenn ich nun mit meinem Rückblick auf 26 Jahre Arbeit für den Rhönklub an vorderster Front zum Schluss komme, muss ich noch erwähnen, worauf ich ganz besonders stolz bin. Sie – unsere Mitglieder – haben sich an fünf großen Spendenaktionen im Laufe der 26 Jahre beteiligt:

- Bei der Erstellung der Kiliansstatue auf dem Kreuzberg

- Bei dem Elbehochwasser 2002 für einen Kinderspielplatz in Eilenburg

- Beim Bau des SOS-Kinderdorfes bei Zwickau

- Bei der Tsunami-Katastrophe in Fernost

- Und 2005 zur Rettung der Milseburghütte

Was mir die Arbeit für den Rhönklub erleichterte, war immer das gegenseitige Vertrauen, Ich konnte mich stets auf Sie, unsere Mitglieder, verlassen. Das zeigte sich ganz besonders bei d e m Groß-Ereignis in 2008 , dem DWT, den wir mit unseren Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle und unseren vielen, vielen ehrenamtlichen Helfern völlig selbständig durchführen konnten. Hier muss ich die wunderbaren 3 Jahre bester Zusammenarbeit mit unserem damaligen Vize Martin Kremer unbedingt erwähnen. In Fulda und der gesamten Rhön konnten wir allen Wanderern aus ganz Deutschland wiederum einen modernen, allem Neuen aufgeschlossenen Rhönklub präsentieren. Ich erinnere an die Aktion mit dem frischen Obst bei den Wanderungen, an den Bachabend, an den Festzug, bei dem Martin Kremer gezeigt hat, wie toll er organisieren kann! Die Super-Festmeile an der Paulus-Promenade ist heute noch bei den Wanderern in aller Munde!

Wenn ich nun die Akten zuklappe, dann sage ich allen, die mich in den 22 Jahren Präsidentschaft unterstützt und mir geholfen haben, also den Sparkassen, den Brauereien, den Landräten, unseren Kooperationspartnern, meinen persönlichen Freunden vom Rhöner Charme, den lieben und fleißigen Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle, also allen, die zu dem großen Netzwerk gehören, und somit natürlich auch Ihnen, liebe Mitglieder, ein herzliches „Vergelts Gott“ für die wunderbarste, wenn auch arbeitsintensivste Zeit in meinem Leben.

Ich übergebe meinem Nachfolger einen intakten, einen frischen und arbeitswilligen Rhönklub, dem nach meiner Auffassung keinerlei Altzöpfigkeit anhaftet. Ich verabschiede mich von Ihnen allen mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn die Arbeit wird mir fehlen, mit Sicherheit auch der ständige Kontakt zu Ihnen, meine lieben Wanderfreunde. Aber ich werde mich nun zur Ruhe setzen. Leben Sie wohl und vielleicht behalten Sie mich noch eine Weile in Erinnerung." +++


Regina Rinke während der Abschiedsrede....

...und am Ende 70 Sekunden lang Standing Ovations...

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