Die Regionalvorsitzende des Katholischen Frauenbundes Marianne Hillenbrand dankte der Referentin Nike Klüber für ihren Vortrag zum Thema „Fremde Heimat“ beim Regionalen Bildungsabend. - Foto: Marion Eckert

BAD NEUSTADTGegen pauschale Vorurteile

Bildungsabend zum Thema "Fremde Heimat" - Mut sich auf Neues einzulassen.

06.10.17 - Heimat was ist das? Ein Ort? Ein Gefühl? Vielleicht gar eine verklärte Erinnerung aus der Vergangenheit? Ist Heimat bedroht? Gar durch Fremde und Fremdes? Muss Heimat bewahrt werden? Kann Heimat überhaupt bewahrt werden?Fragen über Fragen zum Thema Heimat. Beim regionalen Bildungsabend, den die Regionalvorsitzende des Katholischen Frauenbundes Marianne Hillenbrand für alle Frauenbundfrauen und Interessierte im Gemeindehaus Mariä Himmelfahrt in Bad Neustadt anbot, gingen die Teilnehmer mit Diplom Sozialpädagogin Nike Klüber (Würzburg) diesen Fragen auf den Grund.

In keiner Sprache außer der Deutschen werde der Begriff Heimat so vielfältig verwendet, erklärte die Referentin. Im historischen Kontext wurde der Begriff erst im 20. Jahrhundert zum Sehnsuchtsort. Befragt nach ihren Assoziationen nach Heimat antworteten die Frauen: Geborgenheit, Familie, zu Hause, Kindheit, Elternhaus. „Heimat ist also etwas, wo wir verankert sind, wo wir einen Halt haben, wo wir uns bergen können“, fasste Klüber zusammen.

Schnell wurde klar, dass Heimat kein feststehender Begriff sein könne, denn Heimat verändere sich immer wieder. Zunächst sei man in der Regel als Kind in der Familie beheimatet, später habe man eine eigene Familie, oftmals auch an einem anderen Ort. Doch nicht nur der Blick in die eigene Lebensgeschichte zeige auf, dass Heimat im steten Wandel sei. Die heimatlich empfundenen Orte verändern sich auch, Läden schließen, neue Straßen werden gebaut, neue Gebäude entstehen. Und doch bleiben diese Orte oftmals Heimat.

Problematisch werde es, wenn die stetigen Veränderungen nicht mehr angenommen und mitgegangen werden – aus was für Gründen auch immer. Wenn man im Satz „Früher war alles besser“ verharre. Um ein Gefühl von Heimat zu haben, um sich heimisch zu fühlen, sei es nötig, dass man sich aktiv einbringe, das Umfeld mitgestalte, sich mit dem was einen umgibt verbindet. Ist jemand im Verein oder der Kirche im Ort aktiv, ist er automatisch mehr mit dem Ort und den Menschen verbunden, als wenn man nur im Ort schläft und sich sonst außerhalb aufhält. Das Annehmen von Veränderungen, das stetige Mitgehen und sich mitentwickeln sei zwar einerseits eine Chance zum weiterentwickeln und wachsen, aber eben nicht immer leicht. „Heimat ist immer eine Mischung aus Neuem und Altem.

Heimat ist ein lebenslanges Bemühen“, so die Referentin. Das Leben müsse ständig angepasst werden. Immer wieder treten Menschen in neue Lebensphasen ein. Die Geburt der eigenen Kinder, der Auszug der Kinder nach der Schule, der eigene Eintritt in das Rentenalter – Leben sei Wandel und dadurch sei Leben interessant und lebendig. „Das Leben findet in einer Dauerspannung zwischen Vertrautem und Fremden statt. Das Leben wäre schrecklich langweilig, wenn es nur das Heimelige, Kuschelige und Vertraute gebe. Erst durch die Herausforderung und die Möglichkeit Neues zu entdecken, können wir erfahren, was in uns steckt.“

Das Neue, das Fremde anzunehmen, zu integrieren und zu akzeptieren, das sei nicht immer so einfach und selbstverständlich. Das müsse auch gar nicht sein. „Das Fremde darf erst mal das Fremde sein. Es muss nicht sofort verstanden werden. Aber wir haben die Möglichkeit auf den Fremden zuzugehen und so kann vielleicht aus dem ursprünglich Fremden später vielleicht ein Freund und ein Vertrauter werden. „Es darf dauern, sich das Fremde vertraut zu machen“, ermutigte Klüber die eigenen Grenzen zu respektieren aber auch den Mut zu haben, sich Neuem zu öffnen. Fremdes werde zu etwas Vertrautem, wenn man sich Zeit nehme, Mut habe sich einzulassen, wenn Neugier, Interesse, Offenheit und Freude hinzukommen.

Die Menschheit lebe seit Urzeiten in einem Spannungsfeld von Misstrauen und Vertrauen. Unterscheiden zu können zwischen Gefahr oder Freund, das sei sicherte das Überleben. Misstrauen sei nichts Schlimmes, dürfe aber nicht das Leben dominieren. Die Wahl vor zwei Wochen habe gezeigt, dass erstaunlicherweise sei in den Gegenden in denen kaum Ausländer leben, die Angst vor Fremden, vor Verlust der Heimat und die fremdenfeindlichen Strömungen zu nehmen. „Fehlende Erfahrungen mit Einwanderern beflügeln die Phantasie“, versuchte Klüber nach einer Erklärung zu suchen. Pauschale Vorurteile, gegen „die Ausländer“, „die Muslime“, „den Islam“ verallgemeinern und tragen zu Abgrenzung und Abschottung bei, im vermeintlichen Glauben, dass früher alles besser war und Heimat unverändert festgehalten werden könne.(me)+++


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