Samuel Koch hat die Menschen im Herzen berührt. Es war ein eindrucksvoller, berührender, tiefgehender, trauriger, humorvoller, interessanter Abend, der letzte Abend des diesjährigen Missio-Camps. - Fotos: Marion Eckert

HASELBACH/RhönZu Gast im Missio-Camp

Samuel Koch: Das Leben wach, neugierig und abenteuerlustig führen

06.08.17 - Mit Samuel Koch (29) war ein Gast im Missio-Camp angekündigt, der viele Interessierte nach Haselbach, in das große Versammlungszelt lockte. Als Samuel Koch dann im elektrischen Rollstuhl auf die Bühne rollte, herrschte eine gespannte Atmosphäre. Es war sehr still in dem großen Zelt.

Samuel Koch ist seit einem Unfall bei der ZDF-Show „Wetten, dass...?“ vom Hals an abwärts gelähmt, als er mit speziellen Sprungstiefeln über ein fahrendes Auto sprang. Sieben Jahre ist der Unfall nun her. Mit einem schlichten „Hallo - Guten Abend“ begrüßte er das Publikum. „Ich freue mich extrem hier zu sein. Ich bin das erste Mal in Bischofsheim. Es ist ein besonderer Ort mit besonderen Menschen“. Teilweise sprach Samuel Koch sehr leise, fast schien es, als würde er zu sich selbst sprechen, dennoch hatte er stets Kontakt zum Publikum.

Samuel Koch las Episoden aus ...

Im Rollstuhl wollte er den Abend auf der Missio-Camp-Bühne nicht verbringen. Hinter, mit schwarzen Tüchern verhängten Stellwänden wurde er in einen Sessel gesetzt. „Schaffen wir ein bisschen Wohnzimmeratmosphäre in dem Zelt“, sagte er und auf schon fast unverblümte Weise erklärte er seinen Publikum den Sinn dieser Stellwände: „Weil man Dinge nicht sehen will, die etwas merkwürdig aussehen. Ich wurde hier hin hingesetzt und gestylt, etwas pseudomachomäßig.“ Einen Großteil des Abends plauderte Samuel Koch, griff Situationen auf und kommentierte sie leise, manchmal fragend, manchmal überrascht, doch immer mit einer Portion Humor und Selbstironie. In schwärmen geriet er über die Rhöner Landschaft und den fantastischen Sonnenuntergang. „Habt ihr das Abendrot gesehen? Wie herrlich!“ Und damit war er dann auch schon mitten in seinem Thema - auch wenn ihn die beiden seitlichen Leinwände auf denen er selbst zu sehen war, wie er auf der Bühne im Sessel saß, doch etwas abzulenken schienen. „Schräg aus dem Augenwinkel sehe ich mich selbst sprechen. Das Hemd sieht aber doof aus.“ So sorgte er immer wieder für Lacher, inmitten eines doch ernsten und tiefgehenden Themas.

„Woher nehme ich die Kraft?“ Diese Frage stand über dem Abend, über dem Lebensschicksal von Samuel Koch. Wie schafft ein junger Mensch, der große Lebenspläne hatte, der Sportler und Bewegungstalent war und von einem Tag auf den anderen Querschnittsgelähmt ist, sein Leben so anzunehmen wie es nun ist? "Es ist eine innere Kraft, auch die weniger schönen Dinge auszuhalten", sagte er nachdenklich. Kein Spur von Stolz auf das was er da leistet, keine Großspurigkeit ob der Bekanntheit seiner Person. Bescheiden und ruhig klang er, nachdenklich wirkte er, ein wenig traurig, ja fast melancholisch saß er auf der Bühne im Scheinwerferlicht. Und dann erzählte er vom Perspektivwechsel. „Die schönen Dinge des Lebens sehen. Dankbarkeit“, daher komme seine innere Kraft, sich mit seinem Schicksal zu arrangieren. Dankbarkeit für die Schöpfung, warme Socken, Vogelgezwitscher, Facebook, die Familie, Pfefferminztee, Trainingsgereäte, Gottesdienste, keine Rechnung im Briefkasten und so viele mehr.

Begleitet wurde Samuel Koch von ...

„Es überrascht mich, für wie vieles ich dankbar bin“, sagte der nachdenkliche junge Mann, der nicht Wut als Antrieb für sein Leben sondern Dankbarkeit nennt. Er habe Menschen kennengelernt, die ein ähnliches Schicksal haben, die ihr Leben jedoch aus Wut auf Gott - jetzt erst recht - leben. Das sei nicht sein Weg, das machte Samuel Koch mit seinen Textstellen und seinen Antworten, die er auf Publikumsfragen gab sehr deutlich, jedoch ohne aufdringlich zu wirken, ohne zu missionieren oder zu belehren. Er sagte einfach das was ihn ausmacht, sein Denken und sein Leben prägt: „Mein persönliche Supergau ist, dass ich mich nicht mehr bewegen kann. Was bleibt ist die Hoffnung. Ich hoffe darauf mich wieder bewegen zu können, auch wenn der Verstand Nein sagt.“ Viele Gedanken habe er sich darüber gemacht, was er tun würde, würde er wieder laufen können.

„Rausgehen und loslaufen, um des Laufens willen. Die Beine überkreuzen, die Arme verschränken - spätestens im Himmel werde ich das alles wieder tun können.“ Das Leben, das er nun lebe sei „brutal anders“ als er es sich vorgestellt habe. „Ich hoffe es so nicht die nächsten 50 Jahre absitzen zu müssen.“ Zwischen seinen Texten immer wieder Musikstücke, sein Bruder Jonathan Koch am E-Piano der Mirjam Thöne begleitete „Gott trocknet deine Tränen ab. Gott lässt dich nie allein.“ Was ist Glück? Ist Glück nur dann erreichbar, wenn die äußeren Umstände so sind, wie man es sich vorgestellt hat? „Dann habe ich auf absehbare Zeit keine Chance glücklich zu sein“, sagte Samuel Koch und sprach über Glück, Zufriedenheit und flüchtige Glücksmomente. Was ist für ihn Erfolg?, wurde er aus dem Publikum gefragt. „Abends mit einem Grinsen auf dem Gesicht einschlafen können.“ Woher seine Zufriedenheit und seine Liebe zu Leben komme?, lautete eine weitere Frage. „Nicht alles ist Gold was glänzt. Manchmal liebe ich das Leben nicht wirklich. Dann bin ich nicht so geduldig wie ich gerne wäre.“ Ja und manchmal, da hangele er sich von Moment zu Moment, speziell wenn nicht so Schöne dabei seien.

Stefan Schroth dankte Samuel Koch ...

Nutzlos oder wertvoll? Ist man etwas wert, wenn man nützlich ist? Koch gab die Antwort: „Mein Wert ist nicht von meiner Nützlichkeit oder meiner Leistung abhängig. Gott liebt mich weil ich bin, mehr muss ich nicht tun.“ Und dem Publikum sagte er: „Wir sind schon wertvoll weil wir sind.“ In aller Einsamkeit, missverstanden werden, unverstanden fühlen, sei er in logischer Konsequenz zu Gott gegangen. „Wohin sollte ich mich sonst wenden?“ In all dieser Dunkelheit habe er Dankbarkeit und Freude, die aus dem Inneren kam erfahren. „Ich arrangiere mich zunehmend mit meine Situation. Dennoch bleiben Fragen offen, ich werde auf Erden nicht alle Antworten finden, ich werde sie Gott stellen, er trocknet alle Tränen ab.“ Das Leben werde er wach, neugierig und abenteuerlustig führen, um jetzt schon ein Stück Himmel auf Erden zu fühlen. "Halleluja" (me) +++


Über Osthessen News

Kontakt
Mediadaten
Werbung
Impressum

Apps

Osthessen News IOS
Osthessen News Android
Osthessen Blitzer IOS
Osthessen Blitzer Android

Service

Stellenangebote
Veranstaltungskalender
Wetter Vorhersage
Biergärten
Freizeit Tipps
Mittagstisch
Beilagen
Benzinpreis Vergleich

Social Media

Facebook
Twitter
Instagram

Nachrichten aus

Fulda
Hersfeld Rotenburg
Main Kinzig
Vogelsberg
Rhön