Wasserwerfer im Einsatz - Fotos (2): Bundespolizei Hünfeld

FULDA / HÜNFELDExtreme Gewalt und Dankbarkeit - Eine Bilanz

"Mit Flaschenwürfen begrüßt" - Osthessische Beamte beim G 20-Gipfel

12.07.17 - Die Bilder vom G 20-Gipfel am Freitag und Samstag vergangener Woche gingen um die Welt. Hamburg im Zeichen der mächtigen Regierungschefs - aber auch im Zeichen von roher Gewalt. Dass gerade extrem gewaltbereite Randalierer diese Plattform nutzen würden, war im Vorfeld von den Sicherheitsorganisationen erwartet worden. Entsprechend wurden Einheiten von Bundespolizei und Polizei aus dem gesamten Bundesgebiet nach Hamburg beordert. Darunter waren auch rund 300 Kräfte der Bundespolizei in Hünfeld sowie über 30 Beamte der osthessischen Polizei.

Mit etwas Abstand fällt die Bilanz so aus: 15 Kräfte der Bundespolizei wurden leicht verletzt. Neun davon direkt durch Störer, weitere sechs Beamte trugen Zerrungen oder Prellungen davon. "Insgesamt müssen wir schon von Glück sprechen, dass der Einsatz so glimpflich abgelaufen ist", sagt Bundespolizei-Sprecher Jürgen Bohl am Dienstag. Glück, dass niemand ernsthaft verletzt oder gar getötet wurde. Die Bundespolizisten aus Osthessen hatten diverse Aufgaben zu erfüllen: Die Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft war mittendrin im Schanzenviertel, die technische Hundertschaft unterstützte das BKA bei der Untersuchung und Sicherung von Tagungsgebäuden und Hotels, die Logistikeinheit kümmerte sich um die Versorgung von 1.800 Personen. "Die Kollegen waren schon froh als sie wieder zu Hause waren", sagt Bohl.

Nach ersten Flaschenwürfen beruhigte sich ...Fotos (5): Christian Stahl

Die Bundespolizisten kennen die brisanten Einsätze, doch der G 20-Gipfel war schon herausfordernd. "Die sehr lange Dauer und neben der heftigen Auseinandersetzung gibt es die latente Terrorgefahr", so der Sprecher. Die Hünfelder waren in den vergangenen Tagen mit "Mann und Maus" an verschiedenen Orten im Einsatz. Dazu zählt auch die Grenzkontrolle an der Grenze zu Österreich bei Rosenheim im Rahmen der illegalen Einwanderung und zusätzliche Grenzkontrollen wegen des Gipfels.

nicht so im Schanzenviertel

Erschreckend war die extreme Gewaltbereitschaft in Hamburg. Ein Beispiel neben den bekannten Wurfgeschossen: Feuerlöscher gefüllt mit einem Benzin-/Bitumengemisch, welches die Chaoten den Polizisten entgegen sprühten. Die Einsatzkräfte mussten sich der rohen Gewalt stellen. "Die Polizeiführung in Hamburg hat sehr überlegt gehandelt", sagt Bohn nach Gesprächen mit Hünfelder Führungskräften.

Rechts der in der Nacht ...

Was die Bundespolizisten erfreut: Nach den Hamburger Chaostagen bedankten sich die Bewohner der Millionenmetropole und schenkten den Beamten zum Beispiel Blumen, Bewohner aus dem Schanzenviertel spendierten Kaffee und Kuchen. Diese Dankbarkeit erfuhren auch die über 30 Beamten der osthessischen Polizei, die ebenfalls in Hamburg im Einsatz waren. Christian Stahl, Pressesprecher in Fulda, war als Einsatzbeamter kurzfristig in den Einsatz nach Hamburg gerufen worden.

Er befand sich gerade bei einer polizeiinternen Ausbildung von Nachwuchskräften als die Anforderung kam. Das war am vergangenen Freitag, die Hamburger forderten Kräfte nach. Insgesamt waren über 20.000 Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet vor Ort. Mit dem Dritten Zug ging es für Stahl gemeinsam mit Kollegen aus Nord- und Mittelhessen nach Norddeutschland. Der erste Einsatzauftrag: Die Sicherung der berühmten Davidwache auf dem Kiez unweit des Schanzenviertels. "Wir sind mit Flaschenwürfen begrüßt worden", schildert der 41-Jährige, der seit 1995 bei der Polizei arbeitet. "Die Kollegen von der Davidwache waren sehr dankbar, dass wir da waren und versorgten uns mit Äpfeln und Getränken", schildert Stahl weiter. In der Nacht musste von den Osthessen dann noch das Haus des Innensenators beschützt werden. Morgens um sieben Uhr ging es dann für vier Stunden in die Unterkunft nach Bad Segeberg.

Einfach, aber sauber und ordentlich: ...

Dort wohnten sie in einem ehemaligen Flüchtlings-Containerdorf. "Das war alles in Ordnung. Die Container waren neuwertig und sauber. Für zwei Nächte war das völlig ok. Der DRK-Ortsverband aus Bad Segeberg hatte innerhalb kürzester Zeit frische Matratzen besorgt und uns sehr gut verpflegt. Die freiwilligen Helfer waren alle sehr motiviert", so Stahl. Wenn es etwas Positives von diesem G 20-Gipfel-Einsatz gibt: Die Hilfsbereitschaft innerhalb der Hilfs- und Rettungsorganisationen, der Zusammenhalt der Polizisten im Einsatz und die Dankbarkeit vieler Menschen.

Nach nur vier Stunden Ruhe und einem Mittagessen (Nudeln mit Soße) kam die nächste Order. Auf dem Messegelände stand der Raumschutz auf dem Programm, doch nur wenig später wurden die Osthessen "in die Schanze" beordert. Dort eskalierte die Gewalt. "Unser Auftrag lautete, gemeinsam mit anderen Kräften und acht Wasserwerfern die Straße zu räumen", sagte Stahl. Bis morgens kurz vor fünf Uhr waren sie auf der Straße "Schulterblatt" vor Ort. Ständigen Flaschen-, Böller- und Steinwürfen waren sie ausgesetzt.

SMS vom Polizeipräsidenten

Nach wenigen Stunden Ruhe ging es Sonntagmittag wieder nach Hause. Die Führungskräfte um Polizeipräsident Günther Voß hielten ständigen Kontakt mit den Kollegen. In einer SMS an alle Einsatzkräfte aus seinem Polizeipräsidium wandete sich Voß am Samstag unter anderem mit den Worten: "Ich hoffe sehr, dass sie alle wieder gesund nach Hause kommen. Günther Voß" an die Kollegen.

Christian Stahl macht aber auch deutlich: "Wir kennen diese Lagen und wissen, die Gefahr einzuschätzen", beruhigt er. Und die gegenseitige Unterstützung sei wichtig und werde gerade in solch extremen Einsatzlagen praktiziert. Und natürlich freuen sich die Beamten über die Anerkennung aus der Bevölkerung. Auf der Heimfahrt entdeckten sie kurz vor Bad Hersfeld auf der A 7 beim Pommer ein riesiges Plakat an einer Autobahnbrücke: "Danke Polizei und ein Smiley". Das Land Hessen hat sich am Dienstag übrigens entschieden, den eingesetzten Beamten drei Tage Sonderurlaub als Dank für ihr Engagement in Hamburg zu gewähren." (Hans-Hubertus Braune) +++




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