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REGIONDie Mittwochs-Kolumne

WIELOCH schreibt an (38)… den verprügelten Helfer mit Zivilcourage

ZUR PERSONIn „Wieloch schreibt an“ richtet sich Jochen Wieloch (40) immer mittwochs in einem persönlichen Brief nicht nur an regionale Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Sport oder Kultur, sondern auch an Menschen des Alltags, die in den Tagen zuvor besonders aufgefallen sind und für positive oder negative Schlagzeilen gesorgt haben. Bei der Kolumne handelt es sich um eine Mischung aus Kommentar und Portraitierung, in der Jochen Wieloch mal sachlich, mal emotional lobt, kritisiert und bei Bedarf auch ordentlich Dampf ablässt. Der Petersberger kennt sich in den Medien Print, TV und Internet bestens aus und ist unter anderem als Spezialist für Unterhaltungs-elektronik gefragter Autor für zahlreiche Verlage, Magazine und Fachzeitschriften. Neben dem ZDF, 3sat und dem Bayerischen Rundfunk arbeitete der Germanist unter anderem auch für die Motor Presse in Stuttgart und auto-tv in München.

17.05.17 - Lieber Helfer,
Sie waren genau in der Situation, die mir bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“ zentimeterdicke Gänsehaut verursacht. Eine Gruppe Halbstarker lauert im Dunkeln ihrem Opfer auf. Schläge, Tritte, jeder darf einmal. Oder mehrmals. Jetzt gibt es keine Tabus, keine Grenzen. Sie hat es am Kopf erwischt. Bewusstlos geprügelt, weil Sie einer belästigten jungen Frau geholfen haben. Nicht in Caracas, Acapulco oder Kapstadt, den gefährlichsten Städten der Welt. In Fulda, auf dem Heimweg von der Disco. Schauen Sie das nächste Mal weg? Ich könnte es verstehen.

Die Phrasen nach solchen Vorfällen kennen wir. Ausländer sind dann schnell die Schuldigen. In der Werte-Debatte werden fehlende Moral und Toleranz angeprangert. Ich befürchte, es ist alles noch viel schlimmer. Unsere Verrohung hat Rekordniveau erreicht. Samstagabend, 800 junge Menschen feiern im Fuldaer S-Club einen Gottesdienst. Die Kommentare und Beschimpfungen, die man dazu im Internet lesen muss, sind verheerend: „Idioten“, „Affen“, „Hokuspokus“, „Fremdschämen“, „Religioten“. Unglaubliche verbale Aggressivität. Weil junge Leute beten und singen. Toleranz: immer öfter Fehlanzeige. Ein falsches Wort, ein Glas Alkohol zu viel, und aus dem Nichts knallt es. Schlägerei am Wochenende in Hünfeld. Brutale Gesichtsverstümmelung im Oktober in Schlüchtern. Ein Gericht muss klären, ob nach einem Fußballspiel in Alsfeld in der Schiedsrichterkabine die Fäuste geflogen sind. Und eine Besserung ist garantiert nicht in Sicht.

Lieber Helfer mit Mut, von Ihren Rowdys fehlt offenbar jede Spur. Was sind das für skrupellose Gestalten? Am Arbeitsplatz, vorm Einschlafen, in der Freizeit: Hoffentlich werden sie vom schlechten Gewissen aufgefressen. Steuersünder landen im schlimmsten Fall im Gefängnis. Vor denen habe ich keine Angst. Ich wünsche mir, dass Treter, Schläger, gewaltbereite Chaoten aus dem Verkehr gezogen werden. Und zwar nicht auf Bewährung. Ihre Strafe muss richtig wehtun.

Ich befürchte, Sie haben nicht nur Kopfschmerzen. Die verschwinden wieder. Was bleibt, ist das ungute Gefühl. Ob Sie sich im Dunkeln jemals wieder sicher fühlen? Vielleicht bekommen Sie einen Preis für Zivilcourage. Ich würde Ihnen eine Taxi-Dauerkarte schenken.

Mit herzlichen Grüßen




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