Eine Hiobsbotschaft für Hünfeld: Wella schließt Ende 2018. -

HÜNFELDHorrornachricht und Reaktionen ....

Wella macht Ende 2018 dicht! Kann Ministerpräsident Bouffier 380 Arbeitsplätze retten?

15.03.17 - Der Haunestadt Hünfeld im Kreis Fulda stehen schwere Zeiten bevor, wenn die heutige Ankündigung auf einer Betriebsversammlung des Kosmetikherstellers Wella Ende 2018 Realität wird. Zu diesem Zeitpunkt will der neue Besitzer Coty den Standort komplett dichtmachen, die Produktion von Haarprodukten einstellen und die vorhandenen 380 Arbeitsplätze streichen. Entsetzen machte sich am Dienstagnachmittag angesichts dieser Horror-Nachricht breit, die allerdings kein Gerücht ist. Sie wurde ganz offiziell von Unternehmenssprecherin Angela Lauf bestätigt.

Im Juli 2015 hatte Wella für Schlagzeilen gesorgt, als das einstige deutsche Vorzeigeunternehmen innerhalb von nur zwölf Jahren zum zweiten Mal verkauft worden war: vom damaligen Eigentümer und Konsumgüterkonzern Procter & Gamble an den amerikanischen Parfüm- und Kosmetikkonzern Coty, der sich auf Pflegemittel und Duftmarken wie Calvin Klein, Davidoff, Madonna und Joop spezialisiert hat.

Die globalen R&D-Kapazitäten von Professional Beauty, die teilweise in Hünfeld angesiedelt sind, sollen von dieser Veränderung unberührt bleiben. Coty werde nun die Beratung mit den Arbeitnehmervertretern beginnen, um die Umsetzung der Maßnahme fair und sozialverträglich zu gestalten, heißt es in einer Erklärung.

Bürgermeister Stefan Schwenk: "Situation, die ...

"Eine Situation, die einen enttäuschend mitreißt"

„Ich bin heute Morgen von der Geschäftsführung über die Situation in Kenntnis gesetzt worden. Mit einer solchen Reaktion habe ich nicht gerechnet“, sagt Hünfelds Bürgermeister Stefan Schwenk (CDU) gegenüber OSTHESSEN|NEWS sichtlich schockiert: „Bis heute hat sich nichts angedeutet.“ Bei der Übergabe von Procter & Gamble an Coty habe es das übliche Umstellungsverfahren gegeben. „Ich bin wirklich mehr als enttäuscht, die Nachricht war ein echter Schock“, äußert sich der Rathauschef: „Das ist ein schwerer Schlag für die Mitarbeiter und Familien. Aber natürlich auch für die Stadt Hünfeld und die ganze Region. Hier arbeiten nicht nur Menschen, die zu meiner Stadt gehören, sondern Menschen aus dem gesamten Umfeld.“ Jetzt möchte der Bürgermeister erst einmal herausfinden, was überhaupt der genaue Gegenstand der Entscheidung ist. "Ich habe von einer Studie gehört, da muss ich mich erstmal schlau machen, was das für eine Studie sein soll."

Procter & Gamble habe immer wieder deutlich gemacht, dass im harten Wettbewerb Hünfeld ein weltweit stabiler Standort sei. „Und dass der weltweit stabile Standort mit seinen qualifizierten Facharbeitern diese Voraussetzung nun nicht mehr erfüllen soll – das kann ich nicht nachvollziehen“, so Schwenk.

„Momentan arbeiten in Hünfeld 379 Arbeiter.“ Doch es seien auch viele Leiharbeiter im Betrieb angestellt. Zudem hätten viele mittelständische Firmen und Handwerksbetriebe große Aufträge von Coty erhalten. „In der Breite sind erheblich mehr Menschen davon betroffen, als man anfangs annimmt. Das ist alles andere als eine erquickliche und schöne Situation.“

Schwenk hat sofort gehandelt und einen Brief an den Ministerpräsidenten geschrieben. „Wir schauen, was wir für die Mitarbeiter bei Coty tun können.“ Doch auch die Stadt Hünfeld muss neue Weichen stellen: „Procter & Gamble war ein akzeptabler und guter Gewerbesteuerzahler. Auch hier müssen wir uns Gedanken machen. Das ist eine Situation, die einen enttäuschend mitreißt.“

CDU-Landtagsabgeordneter Dr. Walter Arnold (Mitte) ...

Dr. Arnold: Wella muss politisch Chefsache werden

Der Fuldaer CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Walter Arnold, zu dessen Wahlkreis auch Hünfeld gehört, erhöht ebenfalls den Druck: "Es ist nicht nur wichtig, sich um Opel zu kümmern, sondern auch um die 380 Arbeitsplätze von Coty/Wella in Hünfeld." Er trifft am Mittwoch Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU). Das Thema müsse politisch zur Chefsache werden, so Arnold, der in der CDU-Landtagsfraktion auch finanzpolitischer Sprecher ist. "Die Arbeitsplätze sind für die ganze Region von großer Bedeutung. Wir werden alles daran setzen, den Standort Hünfeld zu erhalten und mit der Konzernleitung schnellstmöglich in Kontakt treten."

Landrat Bernd Woide: "Ein Schlag ...

Landrat Woide: "Ein Schlag ins Gesicht"

„Das ist ein Schlag ins Gesicht, gegenüber den Mitarbeitern“, sagt Landrat Bernd Woide auf Nachfrage von OSTHESSEN|NEWS. Wella sei ein angesehenes Unternehmen mit einer qualifizierten Mitarbeiterschaft. „Ich bedauere die Schließung außerordentlich.“ Es scheine, als habe die Politik im Vorfeld keine Möglichkeit gehabt, mit der Unternehmensleitung ins Gespräch zu kommen. „Wir müssen schauen, welche Möglichkeiten wir haben. Wir versuchen die Gründe herauszufinden und mit dem Unternehmen darüber zu sprechen.“


SPD-MdB Birgit Kömpel

SPD-MdB Birgit Kömpel: "Ich kämpfe für die Rettung der Arbeitsplätze"

Für die SPD-Bundestagsabgeordnete Birigt Kömpel ist die Schließung des Traditionsunternehmens Wella "ein schwerer Schlag für den Standort Hünfeld und nicht in Ordnung seitens des Unternehmens Coty". Da wurde bei der Übernahme im Herbst des vergangenen Jahres eine große Willkommensparty für Coty gefeiert, nun sollen Ende nächsten Jahres schon die Lichter ausgehen. Letztlich geht es der Unternehmensleitung wohl nur um die Reduzierung von Lohnkosten, gute Arbeit und gute Qualifizierung der Mitarbeiter/innen erscheinen zweitrangig. Wenn man aber die Produktion in Billiglohnländer verlegt, heißt das nicht, dass die Produktivität gesteigert wird. Oft kehren deutsche Unternehmen wieder mit ihrer Produktion in die Heimat zurück, weil sie feststellen, dass hier die Produktivität am höchsten ist.
380 Menschen, darunter viele Familienväter und – mütter, werden ihren Job verlieren. Ich hoffe sehr, dass sie schon bald neue Arbeit finden. Betriebsvorsitzender Norbert Herr und die Gewerkschaft IGBCE können sich meiner Unterstützung sicher sein".


Stellungnahme von IHK und Standortmarketing zur Schließung von Coty in Hünfeld

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck und Christoph Burkard, Geschäftsführer der Region Fulda GmbH nehmen auf Anfrage Stellung zur Schließung des Coty-Standortes in Hünfeld: „Bei der Übernahme des Wella-Standortes Hünfeld durch Coty hatten wir große Hoffnungen, umso größer ist nun die Enttäuschung“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck zum Aus der Produktion in Hünfeld. Schunck hofft auf sozialverträgliche Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter. Die Industrie- und Handelskammer biete ihre Unterstützung an. Schunck: „Wir können zwar keine Arbeitsplätze schaffen, jedoch die Unternehmen so vernetzen, dass die gut qualifizierten Fachkräfte hoffentlich auch einen Job in der Region erhalten. Zusammen mit der Arbeitsagentur und der Kommunalpolitik werden wir hier an einem Strang ziehen.“

Das Ende von Coty -Hünfeld, einem der Vorzeigeunternehmen des Altkreises Hünfeld, zeige, dass wir uns nicht auf dem einmal Geleisteten ausruhen können und dass es für den Shareholder-Value keine „Heiligen Kühe“ gebe. Umso mehr gelte es die Werte der Inhaber geführten Familienunternehmen zu pflegen, die immer noch das Rückgrat der heimischen Wirtschaft bildeten.

Regionalmanager Christoph Burkard sieht in der Schließung des Hünfelder Coty -Standortes kein generell negatives Signal für die Wirtschaft in der Region Fulda. Im Zeitalter der vernetzten Produktion, der Globalisierung und Digitalisierung stünden Produktionsstandorte weltweit auf dem Prüfstand. Diese Entwicklung gehe an Deutschland und Fulda nicht vorbei. Die Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter und weiche Standortfaktoren wie Lebensqualität und gute kommunale Rahmenbedingungen spielten bei den weltweiten Standortratings anscheinend eine untergeordnete Rolle. Umso wichtiger sei es, im Interesse der Sicherheit der Arbeitsplätze in der Region die Inhaber geführten Familienunternehmen zu unterstützen, für die diese Werte noch wichtig seien. „Im Rahmen der Standortinitiative Hünfeld hat sich bereits ein Unternehmernetzwerk gebildet, das sehr eng zusammenarbeitet. Ich hoffe, dass hier möglichst viele Mitarbeiter aufgefangen werden können." (Julissa Bär / Christian P. Stadtfeld) +++


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